Am Scheideweg


Das tschechische Paar Ondrej und Pavlina P. war auf Wandertour in Neuseeland unterwegs. Die Wanderroute, bekannt unter dem Namen Routeburn-Track, führte über 32 Kilometer und schwieriges Gelände.Vier Wochen später fand man die Frau in einer Jagdhütte, ihr Partner konnte leider nur noch Tot geborgen werden. Wie konnte es zu diesem Unglück kommen und wäre dieses tragische Ergebnis zu vermeiden gewesen?

Im Sommer wunderschön, im Winter gefährlich

Die Strecke ist mit 32 Kilometer nicht besonders lang. Sie wird aber während des neuseeländischen Winters von den Einheimischen gemieden, da sie zu anspruchsvoll ist. Auf der Hälfte der Strecke verlief sich das Paar, die Orientierungsmarken waren zugeschneid. In ihrer Verzweiflung suchten beide Unterschlupf in einer verlassenen Jagdhütte.

Bei dem Versuch die Hütte zu erreichen, verletzte sich der Mann schwer. Seiner Frau war es unmöglich ihn zu transportieren. Sie hielt noch eine Nacht und einen Tag bei ihrem Partner aus und machte sich dann alleine auf den Weg.  Der Mann verstarb noch am Ort des Unfalls. Nach drei Tagen unter freiem Himmel erreichte die Frau letztendlich die Hütte. Sie hatte Glück denn diese war mit Nahrungsmitteln ausgestattet und sie hatte die Möglichkeit Feuer zu machen. Um auf sich aufmerksam zu machen malte sie ein großes “ H „aus Asche in den Schnee.  Fünf Wochen später fanden Rettungskräfte die Frau, deren gesundheitlicher Zustand den Umständen entsprechend gut war.

Fehleranalyse

Derartige Katastrophen passieren nicht einfach so, sondern sind immer eine Verkettung ungünstiger Ereignisse. Der erste große Fehler in diesem Fall bestand darin, dass das Paar niemanden über die Wanderung informierte. Das Pärchen wurde erst nach drei Wochen von tschechischen Bekannten als vermisst gemeldet. Eine Wochen später wurde die Frau in der Hütte aufgefunden. Zudem waren weder Kommunikations- noch Ortungsmittel vorhanden.

Nach Aussagen der Frau verunglückte der Mann bei dem Versuch die Hütte zu erreichen. Er überschätzte seine Fähigkeiten und unterschätzte das Verletzungsrisiko. Oberstes Gebot im Outdoor-Bereich ist das Prinzip der Risikominimierung. Anstatt des kurzen direkten Weges auf die Hütte zu wäre der etwas längere Weg die vernünftige Wahl gewesen. Ein Transport durch die Frau war unmöglich, die Witterung mörderisch und damit der Tod des Mannes die logische Konsequenz. Wie dieses Beispiel eindrucksvoll belegt, so können selbst kleinste Verletzungen im Ernstfall fatale Konsequenzen haben.

Was in solchen Fällen immer schwer nachzuvollziehen ist, ist der körperliche und geistige Ausnahmezustand der betreffenden Personen. Nach mehreren Tagen der kalt-feuchten Witterung schutzlos ausgeliefert, ohne vernünftige Ernährung, werden rationale Entscheidungen fast unmöglich. Die Fehlerquote steigt automatisch.  Nur wer schon einmal in einer derartigen Situation war, weiß wie stark Erschöpfung die Psyche beeinflussen kann. So be prepared.